Freitag, 23. Dezember 2011

„Nirgends, Geliebte, wird Welt sein, als innen. Unser Leben geht hin mit Verwandlung.“

Draußen ist die Welt dunkel und kalt. Zwischen dem Schnee auf den Feldern und den kleinen Sternen am nächtlichen Himmel müssen wir die so dringend benötigte Wärme in diesen Wintertagen innerlich erzeugen, eine kleine Flamme entzünden, damit wir als Menschen auf der Erde die Orientierung nicht verlieren.

Morgen ist der 24. Dezember. Die vierundzwanzig Erwartungstage, die Adventszeit liegt dann hinter uns. Das, was aus der Zukunft kommt, nimmt unsichtbar Gestalt an: DER Tag beginnt. Die Stunden werden vergehen und am Abend wird es so weit sein: die Weihnachtszeit beginnt! Die erste heilige Nacht entfaltet sich in der Dunkelheit. Und es folgen zwölf weitere „heilige Nächte“. Dabei wird es von Nacht zu Nacht langsam wieder etwas heller.

Weihnachten, das Fest der Liebe. Was bedeutet das? Ein Kind wurde geboren und veränderte die Welt. Und jedes Jahr können wir aufs Neue daran teilhaben: Können DEM Kind in uns zur Geburt verhelfen, können etwas beginnen, anfangen, entstehen lassen, um es, gegebenenfalls, auch wieder enden und sterben zu lassen.

Geburt und Tod liegen nah beieinander und sind für mein Alltagsbewusstsein kaum zu greifen, geschweige denn zu verstehen. Was geschah vor unserer Geburt, was geschieht nach unserem Tod? Dem Einen von uns sind lange Jahre auf Erden gegönnt, dem Anderen nur wenige. Wie lange die „Gegenwart“ unseres Lebens dauert, ist uns unbekannt. Jahr für Jahr aber wird es immer wieder Weihnachten.

Wenn zur Weihnachtszeit äußerlich „gejubelt“ wird, wenn Chöre erklingen, Geschenke verschenkt werden, ein großer Speiseplan gewählt wird, dann spielt sich das alles in der äußeren Welt ab. Was aber geschieht im Inneren, in unserem Herzen, das so treu klopft und klopft und manchmal aus dem Rhythmus kommt? Dieses zarte Klopfen ist es, das zur Weihnachtszeit von innen nach außen und von außen nach innen drängt.

Die Welt hält in den Weihnachtstagen inne und es entsteht Raum und Zeit, diesem inneren Klopfen nachzugehen. Sich nicht weiter durch äußere Gegebenheiten durch die Tage schicken zu lassen und Stunden um Stunden mit „Erledigungen“ vergehen zu lassen. Die Weihnachtstage laden uns ein still zu werden. Nach innen zu blicken. Uns zu verwandeln – so wie es schon Rilke in seiner 7. Duineser Elegie sagte.

Ich werde ab morgen wieder Fragen stellen. Weihnachtsfragen. So wie im letzten Jahr. Fragen, die aus der Stille kommen und in die Stille gehen. Fragen, die die Zukunft einladen. Das geschriebene Wort ermöglicht uns die äußere Stille. Weder Fragen noch Antworten müssen äußerlich erklingen.

Es werden Fragen sein, die sich an den inneren Stern in uns wenden, ihn zum Erleuchten einladen. Und hiermit möchte ich wieder alle Leserinnen und Leser herzlich dazu einladen, sich an dem Weihnachtsblog in jeglicher Form über Kommentare zu beteiligen und ihm so zur Geburt zu verhelfen.

Fragen gelangen dann zu ihrer Bestimmung, wenn sie bewegt und betastet werden, neu angeschaut und gewendet werden. So wie Texte ohne Leser ein Schattendasein führen, brauchen Fragen einen Ort, an dem sie sich ausbreiten und transformieren dürfen.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich eine innige Weihnachtszeit mit Fragen und vielleicht auch Antworten. Ruhe, Besinnlichkeit und Innerlichkeit für das Neue in uns, damit die Sterne nicht nur am Himmel leuchten, sondern auch in unseren Herzen und unter der Erde.
Sophie Pannitschka

Kommentare:

  1. Es ist schön, von deinen Fragen getragen zu werden... Bin gespannt, was kommt. STC

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  2. Ja, das klingt in uns an, das "heilige". Da steckt das Wort "heilen" drin. Du schaffst Räume dafür. Und dafür bin ich dir dankbar

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  3. Ja ich werde dabei sein.

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  4. Ich werde auch dabei sein, ob ich schreibe oder nicht. Danke liebe Sophie

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  5. Sophie
    Auf dem Weg die kinder einzusammeln geschwind am PC vorbei. deine fragen.ich freue mich
    Malle

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  6. Liebe Sophie,

    Du hast die Chöre erwähnt. Dazu ein kleiner Beitrag von mir.

    Alles Liebe von Daniela

    Weihnachtskonzert – die Ruhe verlassen, mich aufraffen zur Stellprobe zwei Stunden vor dem Konzert. 17 Personen, die erkrankt sind, darunter die Solosängerin. Der Chorleiter unausgeschlafen, besorgt, nervös. Der Schweiß läuft ihm in Strömen das Gesicht herunter. Seine Unruhe überträgt sich: Der Alt verpasst seinen Einsatz, der Bass vergisst seine Stimme. Der Chor fällt im Tempo auseinander. Ich verschütte meine Tee.

    Warten auf den Konzertbeginn im abgedunkelten Raum. Ein Meer aus Teelichtern im Schiff einer romanischen Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert, ergänzt um einen weiten, eine runde Stimmung erzeugenden Neubau. Das Alt gut ins Neu integriert. Oder das Neu in das Alt?

    Die Kirche ist zum Bersten gefüllt. Die Spannung steigt. Allmählich verebbt das Getuschel. Stille.

    Der Chorleiter setzt nun alles auf eine Karte, wissend, dass der kleine Chor ohne seine Überzeugung verloren ist. Er überwindet sich. Konzentriert sich. Strahlt Zuversicht aus. Mimik, Gestik, Standfestigkeit, Dynamik. Alles stimmt. Sein Spiel für den Chor und das Publikum. Sein Einsatz, der uns bündelt und unsere Stimmen zu voller Strahlkraft und zum Höhepunkt im Ave Maria führt.

    Das Ave Maria. Vier Töne, in denen sich meine Stimme in einem herzzerreißenden Moll am strahlenden 1. Sopran reiben darf. Töne, die sich in meine Körperschwingung einschwingen und zu einem Teil vom mir werden. Das Ave Maria. Vier Töne, in denen für mich Weihnachten liegt.

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  7. SEHR schön, herzlichen Dank, Daniela!

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