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Dienstag, 6. Januar 2015

Königswürde: Sterne, Lichter und das Schenken


Wollen wir das Weihnachtsfest christlich feiern,
so muss in uns selbst ein Hirte und König sein.

Ein Hirte, der horchen kann auf das, was andere nicht hören.
Der mit allen Kräften der Hingebung unmittelbar unter dem Sternenhimmel wohnt.
Zu dem es Engel gelüsten kann, sich zu offenbaren.

Und ein König, der schenken kann.
Der sich von nichts anderem leiten lässt als von dem Stern in der Höhe.
Der sich aufmacht, alle seine Gaben an einer Krippe darzubringen.

Aber außer dem Hirten und dem König muss auch ein Kind in uns sein,
das jetzt geboren werden will.

Friedrich Rittelmeyer

König sein: Wenn wir auf die Welt kommen, bekommen wir ein Geschenk. Es ist ein Stern, der bei unserer Geburt mit uns geboren wird und über uns zu leuchten beginnt. Er begleitet uns das ganze Leben bis zu unserem Tod. Er leuchtet jeden Tag und jede Nacht und verlässt uns nie. Jeder Mensch hat einen persönlichen Stern, der ihm vom Kosmos für seine Lebenszeit geschenkt wird und der ihn auf seiner Reise durch die irdische Dunkelheit über Stock und Stein, Berg und Tal begleitet.

Es gibt Zeiten, da wissen wir nichts von der Existenz dieses Geschenks, denken nicht an einen Stern und vertrauen auch nicht darauf, dass er da ist und unaufhörlich leuchtet. Wir haben eine dunkle Brille vor den Augen, die Herz-Tür verschlossen oder dicke Handschuhe an. Dann lassen wir uns von elektrischem Weihnachtsglitter leiten, dunklen Worten, schrägen Ideen oder schlicht von der menschlichen Maßlosigkeit. Wer aber irgendwann in die Lage kommt sein Geschenk auszupacken, der weiß, was er bekommen hat.

Es gibt Momente im Leben, da sehen wir den Stern plötzlich über uns leuchten. Und wir erstrahlen in seinem Licht und fühlen uns getragen, geborgen, begleitet. In anderen Momenten, wenn wir beschäftigt sind und irgendetwas dringend wollen, kann es sein, dass er ein wenig hinter uns zurück bleibt. Dann stehen und gehen wir in seinem Schatten, weil wir uns in seinem Licht befinden. In wieder anderen Momenten, wenn er uns etwas zu sagen oder zu zeigen hat, dann leuchtet er vor uns und wir können, wenn wir aufmerksam sind, seiner Licht-Spur folgen.

Wenn aber der Stern nicht nur über uns, sondern in uns selber zu leuchten beginnt und andere Menschen sich an dem Licht, das wir ausstrahlen orientieren können, dann haben wir die Königswürde erreicht. Das Wesen eines guten Königs ist das Schenken. Wer schenkt gibt etwas von sich, teilt seine eigenen Gaben und schlägt damit eine Brücke zu seinem Nächsten, er berührt ihn. Ein König schenkt was er hat, etwas vom Licht seines Sterns: das kann in das Wahre, das Gute oder in das Schöne verpackt sein. König sein heißt, das Licht in sich selber entzündet zu haben und es in der Welt leuchten zu lassen – sich zu schenken.

Die drei Heiligen Könige sind dem Stern am Himmel gefolgt, um den Stern in der Krippe zu finden, der ihnen seitdem den Weg durch die irdische Welt zeigt. Dafür schenken die Könige der Welt ihr Licht, ihre Weisheit und ihre Güte.

Weder werden durch Königs- oder Sternenlichter Spannungen oder Konflikte gelöst, Kriege beendet oder Leistungsdruck minimiert aber das Licht, das leuchtet, wenn ein König unter den Akteuren – im Kleinen wie im Großen – ist, verliert etwas von seiner scharfen Eckigkeit und seiner gnadenlosen Rechthaberei. Das Licht wird etwas zarter, wärmer und vielleicht ein wenig heimeliger. Verzeihen, Gnade walten lassen und Schutz gewähren sind Güter, die ein König schenkt, wenn er das Licht des Sterns in sich trägt und weitergibt.

Und wenn sich die vielen leuchtenden Könige, die es auf der Erde gibt zusammentun (und eine Lichterkonferenz abhalten), dann entsteht am Himmel ein strahlendes Sternenmeer, das sich schützend über die Erde beugt und ihr hilft, die Dunkelheit und Kälte zu transformieren. Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern, dass sie ihrem Stern im Neuen Jahr Raum und Zeit geben, ihr eigenes Königslicht in die Welt schenken und sich zusammentun um gemeinsam zu leuchten.

Montag, 29. Dezember 2014

Von Schätzen der Vergangenheit und Zukunftssternen: ein Inspirationsspaziergang ins Neue Jahr


Wollen wir das Weihnachtsfest christlich feiern,
so muss in uns selbst ein Hirte und König sein.

Ein Hirte, der horchen kann auf das, was andere nicht hören.
Der mit allen Kräften der Hingebung unmittelbar unter dem Sternenhimmel wohnt.
Zu dem es Engel gelüsten kann, sich zu offenbaren.

Und ein König, der schenken kann.
Der sich von nichts anderem leiten lässt als von dem Stern in der Höhe.
Der sich aufmacht, alle seine Gaben an einer Krippe darzubringen.

Aber außer dem Hirten und dem König muss auch ein Kind in uns sein,
das jetzt geboren werden will.

Friedrich Rittelmeyer

Hirte sein: Zwischen den Jahren überkreuzen sich Vergangenheit und Zukunft in der Gegenwart. Die Rückbesinnung auf das Fest der Geburt schafft im Strom der Zeit Weite und Breite, Höhe und Tiefe. Ein Festpunkt in den Tagen des Übergangs sind Erinnerungen (Vergangenheit), Gegebenheiten - irdischer und geistiger Natur (Gegenwart) und Vorhaben (Zukunft).

Erinnerungen, die als Schätze Steine oder Sterne in meiner Seele sind und die hervortreten, wenn es Zeit ist, sich ihrer zu erinnern, neue Kontexte zu schaffen oder Urteile umzudeuten. Es hat Erlebnisse und Begebenheiten gegeben, Momente, Träume, Erschütterungen. Ich bin der, der ich geworden bin durch das, was in mir liegt - auch durch das Vergessene.

Erinnerungen an Menschen kommen hoch, die nicht mehr da sind und deshalb gerade um so kräftiger in meiner Seele anwesend sind – die verlierbaren Lebenden und die unverlierbaren Toten (Hilde Domin) – sie klopfen in diesen Tagen an meine innere Tür, um sich bemerkbar zu machen und Grüße aus einer anderen Welt zu bringen. Das Vergangene kommt aus dem Schlund des Vergessenen über den Horizont erneut in mein Bewusstsein und zeigt sich mitunter in einem anderen Gewand.

Was ist geschehen?
Woran bin ich beteiligt gewesen?
Was habe ich gemacht – und, was habe ich unterlassen?
Wem bin ich begegnet, welche Ereignisse haben sich fortgesetzt, wo ist noch etwas offen geblieben?
Was habe ich so gewollt, wie es geworden ist und was gerade nicht?
Was habe ich verstanden und was ist mir fremd geblieben?

Die Vergangenheit loslassen und in der Gegenwart ankommen heißt, sich in das Spannungsfeld zu stellen, welches gewöhnlich das Hier und Jetzt genannt wird. Der gegenwärtige Moment, in dem sich jeder Einzelne von uns befindet, wird von vier Komponenten geleitet, zwei horizontalen und zwei vertikalen. Im horizontalen Zeitstrom ist es zum einen die Vergangenheit, die uns mit Erinnerungen beschenkt, wenn wir von Minute zu Minute weiter ziehen und aus dem, was gerade noch Zukunft genannt werden konnte unsere Vergangenheit kreieren und zum anderen ist es die Zukunft, die auf uns zukommt.

Leitsterne auf der vertikalen Ebene sind in der Gegenwart die geistigen Motive, die wir mitgebracht haben, als wir uns dem vorgeburtlichen Sein entwunden und uns in einen physischen Körper in Raum und Zeit gefügt haben. Die Motive, die uns in diese oder jene Richtung lenken, Evidenz- oder Fremdheitsgefühle wecken, stehen den physischen Notwendigkeiten auf der anderen Seite der vertikalen Linie gegenüber. Die Miete will bezahlt werden, das Autofahren fordert einen Führerschein, das Studium ein Abitur.

Wo stehe ich?
Wie geht es mir dabei?
Welche Prozesse wollen beachtet und bearbeitet werden?
Womit ringe ich?
Was nährt mich, macht mir Freude?
Wo liegen meine Fähigkeiten und was möchte ich lernen?

Auf der gegenüberliegenden Seite der Vergangenheit, auf dem horizontalen Zeitstrom, ruft uns die Zukunft samt unserer Vergangenheit, unseren Motiven und den irdischen Gegebenheiten ins Offene, Weite und noch Unbetretene. Dorthin, wo das Gewissen wohnt und uns immer wieder aufs Neue dazu einlädt der Spur unseres Lebens zu folgen und Schritte in den unbetretenen Schnee zu wagen. Die Zukunft singt und klingt, wenn wir den Sternen lauschen.

Ahnungen und Träumen darf Raum und Zeit gegeben werden, damit Entschlüsse verwirklicht werden können. Die Zukunft gebiert sich aus den Schnittpunkten zwischen mir und dir, zwischen Wünschen und Entschlüssen, zwischen dem Notwendigen und dem Neuen. Die Spuren die wir verfolgen werden einmal zu den Spuren, die wir hinterlassen.

Was habe ich vor?
Was will ich erreichen?
Wie will ich leben?
Wem will ich begegnen?
Womit will ich mich beschäftigen?
Auf welche Fragen will ich Antworten finden?

Ich lade meine Leserinnen und Leser dazu ein, am Silvesternachmittag einen Inspirationsspaziergang zu machen. Er dauert etwa eine Stunde und sollte im Kern allein gemacht werden. Trotzdem kann sich eine Gruppe bilden, die sich aber während des eigentlichen Spaziergangs aufsplittert. Es bietet sich an, dass man sich gemeinsam trifft und einstimmt, um dann für sich alleine etwa eine Stunde in der Natur zu sein und mit ihr Kontakt aufzunehmen.

Ein Drittel der Zeit wird dabei der Vergangenheit mit ihren Fragen gewidmet (wo komme ich her, was habe ich im vergehenden Jahr gemacht?), ein Drittel der Gegenwart (wo stehe ich, wie geht es mir?) und ein Drittel der Zukunft (wohin möchte ich, was nehme ich mir vor?).

Jeder stellt sich die für ihn relevanten Fragen in Bezug auf die drei Zeitebenen innerlich und lässt sich von der Natur inspirieren Anknüpfungspunkte und Antworten zu finden. Nach dem Spaziergang, der möglichst noch vor der Dunkelheit stattfinden soll, kann die Gruppe noch einmal zusammen kommen. Jeder, der mag, kann den anderen davon berichten, was er in Bezug auf seine persönliche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erlebt hat und was er ins Neue Jahr mitnehmen möchte.

Ich wünsche allen ein glückliches und kreatives Neues Jahr und freue mich über Resonanz. Herzlich, Sophie Pannitschka

Sonntag, 21. Dezember 2014

Weihnachten: Horchen, schenken und ein Kind werden


Wollen wir das Weihnachtsfest christlich feiern,
so muss in uns selbst ein Hirte und König sein.

Ein Hirte, der horchen kann auf das, was andere nicht hören.
Der mit allen Kräften der Hingebung unmittelbar unter dem Sternenhimmel wohnt.
Zu dem es Engel gelüsten kann, sich zu offenbaren.

Und ein König, der schenken kann.
Der sich von nichts anderem leiten lässt als von dem Stern in der Höhe.
Der sich aufmacht, alle seine Gaben an einer Krippe darzubringen.

Aber außer dem Hirten und dem König muss auch ein Kind in uns sein,
das jetzt geboren werden will.

Friedrich Rittelmeyer

Kind sein: Erst in der Grundschulzeit bemerkte ich innerhalb der Gespräche mit Schulkameraden, dass das Weihnachten, das ich kannte, nicht das war, was die meisten meiner Freundinnen Jahr für Jahr feierten.

Bei uns wurde über die Angebote, die die Welt des Konsums alljährlich in der Weihnachtszeit darbot, gespottet. Säuselnde Lieder in Kaufhäusern wurden verhöhnt, Weihnachtsmärkte umgangen und jegliche Art der versuchten Besinnlichkeit abgelehnt. Bei uns gab es keinen Adventskranz, keinen Nikolaus, kein Christkind, keinen Weihnachtsmann. (Wohl aber ein Stück Schokolade.) Kirchen kannte ich als Relikte einer fernen Vergangenheit (das muss mindestens vor dem Krieg gewesen sein), einen Gottesdienst hatte ich noch nie miterlebt.

Alles was mit Religion zusammenhing gehörte nicht zu meinem Leben, das in meinem Umkreis gelebt wurde. Ostern waren wir meistens verreist – Ostereier suchen wurde als Spaß an der Freude nach Möglichkeit inszeniert. Die Bedeutung des „Festes“ aber verschwiegen. Weihnachten war das schon schwieriger. Das gesamte gesellschaftliche Leben, auch in der Schule, richtet sich wochenlang darauf hin. An den Weihnachtstagen konnte ich mich nicht mit Freundinnen verabreden – sie „feierten in ihren Familien Weihnachten“, was immer auch damit gemeint war.

Die Zeit um Weihnachten waren in meiner Kindheit verwirrende Tage. Weder kann ich mich an Gesang erinnern, noch kannte ich die Weihnachtsgeschichte richtig. Geschenke gab es aber. Zumindest die Großmütter unterließen es nicht zu schenken. Ich erinnere mich daran, dass einmal bei uns ein Weihnachtsbaum aufgestellt wurde, an den Würstchen gehängt wurden. Ein anderes Mal wurde am 24. Dezember mittags bei einem Weihnachtsbaumverkauf der Restbestand aufgekauft. Es waren vielleicht zehn kleine Bäume, die bei uns in der Wohnung aufgestellt wurden. Wir spielten im „Wald“ verstecken.

Abgesehen davon, dass in manchen Jahren das Fest übergangen wurde, gab es andere Jahre, in denen große Feste mit vielen Menschen gefeiert wurden. So richtig klar, deutlich und glücklich waren diese Tage nicht. Irgendwie musste auch jedes Jahr neu überlegt werden, wie es dieses Mal gehandhabt werden sollte. Und dann gab es einen Einschnitt.

Ich war vierzehn Jahre alt, als ich das erste Mal ein klassisch-traditionelles Weihnachtsfest erlebt habe – und war tief beeindruckt. Wir waren bei meiner Tante. Und fügten uns in ihr Vorgehen und ihre Rituale ein – ich wusste nicht wirklich, was auf mich zukam. Es wurde gekocht und geputzt. Alles wurde für den 24. nachmittags vorbereitet. Jeder hatte bestimmte Dinge zu erledigen. Zum Mittagessen gab es eine Suppe. Dann ging jeder in sein Zimmer. Zwei Stunden Ruhe – jeder für sich.

Zum Nachmittagskaffe - mit Bratäpfeln und Plätzchen - sollte sich jeder schön anziehen. Die Stimmung war erwartungsvoll, das Gespräch nahm eine andere Form als noch beim Mittagessen an. Witze zu machen war völlig undenkbar. Draußen wurde es dunkel, der Raum war nur mit Kerzen erleuchtet. Danach machten wir einen Spaziergang – der Wind pfiff uns um die Ohren. Als wir zurückkamen war es stockdunkel. Wir sammelten uns still in der Diele. Dort wurde gesungen. Weihnachtslieder. (Einige kannte ich aus der Schule.) Im Dunkeln.

Und dann läutete ein leises Glöckchen. Und die Tür zum Weihnachtszimmer öffnete sich. Dort stand ein geschmückter Weihnachtsbaum mit brennenden Kerzen. Das Christkind war mit einer Engelschar da gewesen. Es hatte Geschenke gebracht. Unter dem Weihnachtsbaum stand eine Krippe mit Maria und Josef. Die Hirten waren da, viele Schafe und Tiere, die heilige Familie im Stall und von Ferne waren schon die Könige unterwegs. Die Weihnachtsgeschichte wurde vorgelesen, wir wünschten uns alle gegenseitig frohe Weihnachten und sangen wieder. Stille und Gesang wechselten sich im Glanz des Kerzenlichtes ab.

Später gab es ein Weihnachtsabendessen. (Jedes Jahr gab es das traditionelle Weihnachtsessen.) Das Licht der Weihnachtsbaumkerzen spiegelte sich in meinen feuchten Augen. Der Weihnachtsstern, der dort oben in der Ferne des Nachthimmels leuchtete, erreichte mein Herz. An der Schwelle zur Jugend wurde ich wie neu geboren, war ein Kind geworden und erlebte ein Weihnachtsfest, wie es die Menschen auf Erden feiern können, um der göttlich-geistigen Welt nah zu sein.

Ich freue mich über Beiträge meiner Leserinnen und Leser!